Translate

Dienstag, 1. April 2014

Die Insel Großbritannien und ihre Eingeborenen

Einer der Gründe, neben dem Erlernen von Englisch und der selbstständigen Benutzung der Waschmaschine, als  Au Pair in ein fremdes Land zu reisen, ist natürlich auch der kulturelle Austausch. In Anbetracht der Tatsache, dass mein fernes Land gerade mal ein einhalb Flugstunden von Deutschland entfernt ist, dachte ich eigentlich, dass mein kultureller Austausch eher mau ausfällt.
Aber Pustekuchen!
Das fängt schon beim Frühstück an. Porradge bin ich ja nun schon gewöhnt aber, dass man Sonntags morgen doch tatsächlich ernsthaft vorschlägt Fischstäbchen zu machen, eröffnet mir ganz neue Welten… die ich nicht besonders gerne betreten würde.
Dem englischen Essen eilt ja ein gewisser unschmeichelhafter Ruf voraus und was ich soll ich sagen…ich wohne in einer indischen Familie also: haha euer Problem!!!! (und das war die nette Version) ;)
Naja, natürlich habe ich auch typisch britisches Essen probiert. Das erste auf meiner Liste war Pastete.
 Der Grund dafür ist simpel: „Sweeney Todd“ (das ist ein Musical für die ungebildete Meute, die diesen Blog liest….tut mir leid war nicht persönlich gemeint) und seine Pasteten gefüllt mit menschlichem Fleisch. Das musste ich probieren.






Es schmeckt wesentlich schlechter als ich es mir erhofft hatte. Aber es ist eine dieser Sachen die man einfach mögen will und sie deswegen ständig im Restaurant bestellt, selbst wenn das Ergebnis, eine halb aufgegessene Pastete und ein knurrender Magen, immer dasselbe bleibt.

Eine andere englische Spezialität ist „fish and chips“ was, wie der Name schon vermuten lässt, eigentlich auch nicht mehr als frittierter Fisch und frittierte Kartoffeln ist.
Die haben eine rein mit chinesischem Essen gefüllte Karte abgesehen von „fish and chips“, einen Wandteppich, nur chinesische Verkäufer und so eine unheimliche Winkekatze…und der Laden heißt „FISH AND CHIPS“?!….. dazu kann ich eigentlich auch nicht mehr sagen…
Gut und schön damit kann ich leben. Womit ich allerdings nicht leben kann ist, dass unser nächst gelegener „fish and chips shop“ doch tatsächlich eigentlich ein chinesisches Restaurant ist.
Okay anders Thema:
Tee, Tee, Tee bis man nicht mehr kann, seltsam geformte Steckdosen und diese Sache mit der andauernden Freundlichkeit. (Das sind doch gute Themenvorschläge oder?)
Ist es denn wirklich notwendig, dass ich mich nach einem Besuch im Supermarkt fühle wie der unfreundlichste Mensch auf der Welt?
Wenn ich mich unbeholfen und in einem Tempo, dass das Gegenteil von gemütlichem Schlendern ist, an Leuten vorbei durch die Gänge quetsche, sollte ich mich normalerweise entschuldigen und nicht die Menschen auf deren Füße ich trete.
Von dem Autofahren auf der eindeutig falschen Seite und dem gesamten Schulsystem (von den Uniformen, über die Unterrichtsinhalte, bis hin zu der Tatsache, dass es hier Universitäten gibt die mehr einem Palast als einer Uni ähneln) will ich gar nicht erst anfangen.

Hab es mir anders überlegt ich will doch, also erstmal um ganz vorne an zu fangen, der gemeine Brite fährt sein TöfTöf auf der linken Seite. Ja auf der linken Seite nicht wie der Rest der Welt (Neuseeland und Australien mal ausgenommen)auf der Rechten, weil warum sollte man auch oder?! Es lebe der Individualismus! (merkt euch das, darauf komme ich später noch zurück)
Ach ja und noch eine klitzekleine Sache die ich hier des Öfteren beobachtet habe , Kreisverkehre… Überall und wenn ich sage überall dann meine ich auch überall. Und nicht nur diese kleinen netten Kreisverkehre, die wir ja alle kennen und lieben gelernt haben. Nein, so richtig große. Falls ihr den Borsigplatz in Dortmund kennt, das ist noch gar nichts!
Die Menschen, die die Kreisverkehre hier konzipiert haben, haben es doch tatsächlich fertig gebracht mein Navigationssystem so sehr zu verwirren, dass es nicht mal wusste, dass es sich in einem Kreisverkehr befindet. Das meinte dann nur: „Links Abbiegen und dann bitte wenden.“ Was es eigentlich damit sagen wollte war: „Ignoriere die Straße, die da mitten durch diesen „Kreisverkehr“ führt. Bleib auf der innersten Spur, die nach links abbiegt und dann nehme die vierte Abfahrt, aber pass auf das dir keiner rein fährt, weil nicht alle Navigationssystme so toll sind wie ich.“
Tja, das letztere hat es aber leider nicht gesagt, was mich die ersten Male die ich diesem Kreisverkehr über den Weg gelaufen bin, reichlich Zeit, Nerven und meinen Glauben an die Menschheit gekostet hat.

Was auch sehr interessant ist, wenn man sich mit der Kultur, der hiesigen Einheimischen einmal tiefer-gehend auseinander setzen will, ist sich mal ein paar Folgen Geordie Shore anzusehen.

Diese Fernsehsendung ist wie schon gesagt…interessant.
Eine kurze Zusammenfassung wäre wohl:
Alkohol, Partys, falsche Wimpern, Sex, Sprayteint, Anger Management und emotional verwirrte Engländer in ihren Zwanzigern.
(Ich hoffe einfach, dass das mit Youtube und der ganzen Video hoch lade Aktion jetzt klappt ansonsten googelt es doch einfach mal.)
Was es über mich aussagt, dass ich die komplette Serie bei Sky aufgenommen habe, wollen wir hier auch nicht tiefer gehend betrachten.
Auf jeden Fall wirft diese Fernsehserie zwei Fragen bei mir auf (eigentlich sind es mehr, aber alle persönlichen Probleme der „Hauptdarsteller“ näher zu durchleuchten, würde mit ziemlicher Sicherheit mehr Zeit in Anspruch nehmen, als mir in England bleibt ergo, nur zwei).
Erstens: Gucken die Leute, die da mit machen, das wohl mit ihren Eltern und wenn ja, was sagen die dann wohl?
Und zweitens: Besteht wohl ein Zusammenhang zwischen der Tatsache, dass sich viele Engländer (wie sage ich das jetzt am besten) sehr individuell kleiden und der, dass die meisten Engländern seid einem sehr jungen Alter größtenteils Schuluniformen tragen?
Was ich damit sagen will: Führen Schuluniformen zu schlechtem Geschmack?
Vielleicht lernen einige (ich meine nicht alle sondern nur ein Paar, mein Gott stellte euch doch nicht so an) Kinder, die Schuluniformen die meiste Zeit ihres jungen Lebens tragen und ihre Freizeit eigentlich nur in chilligen Klamotten verbringen, nie sich angemessen anzuziehen, weil das immer eine Regelung von der Schulleitung für sie übernommen hat.
Eine andere Theorie: Es ist eine Art von Rebellion, raus aus der Schule und ihren Uniformen! Rein in die schöne neue Welt, in der man was immer sich gerade anbietet als Kleidung tragen darf.
Falls ihr irgendwelche Ideen habt würde ich mich freuen davon zu hören.
Wenn ich so länger über die Briten und ihre kleinen Eigenheiten nachdenke, komme ich nicht umhin zu bemerken wie wichtig diesem Völkchen seine Individualität ist: das Pfund, das Fahren auf der falschen Seite oder das Messen in Feet…
Und die Frage, die sich mir unangenehmerweise aufdrängt ist: WARUM?!
Da ich ja meine Aupair-Kids jeden Tag von der Schule abhole, was mir eine halbe Stunde Hinfahrt alleine im Auto einbringt, habe ich Zeit zum Nachdenken (uaaa ja manchmal benutze ich mein Hirn, nicht die meiste Zeit, das gebe ich ja zu, aber manchmal).
Also wenn ich dann so im Auto sitze, Musik höre und meine baldige Weltherrschaft plane, schleicht sich manchmal der Gedanke ein, dass sich die Briten, auf ihrer Insel lebend, abgeschottet von anderen europäischen Ländern einfach lustig vor sich hin entwickelt haben und nicht einsehen, dass jetzt zu ändern.
Wenn man alleine auf einer Insel lebt, sich schon mal verdammt fetzt und versucht die Unterschiede untereinander (Ich spreche hier von den Problemen, die die Engländer, Schotten und Iren miteinander haben, Wales lassen wir mal raus) noch weiter aus zu schlachtet, kümmert man sich dann auch nur im geringsten um das was irgendwo irgendwelche anderen Europäer machen? Vor allem wenn man zu denen gar keine direkte Grenze hat?
Naja sei´s drum, ich hoffe ich habe euch auch ein bisschen was an Stoff zum im Auto drüber nachdenken gegeben.
Auch wenn sich das in diesem Blog ein bisschen anders anhört wollte ich nur sagen, dass ich England wirklich liebe. Die Mode in London ist fantastisch, die Restaurants sind der Hammer und die Menschen sind einfach wunderbar, und deren Individualität, du das ist unglaublich ;)
Und die ganzen Sachen über die ich oben gelästert habe, werde ich wahrscheinlich unglaublich vermissen, außer den Regen, der Regen ist scheiße!!



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen