Ich weiß ja nicht ob ihr es wusstet, aber ich lebe hier in England mit einer indischen Familie. Um genau zu sein mit einer punjabischen Familie, was meinen Auslandsaufenthalt noch eine tiefere Ebene an kulturellem Austausch verleiht.
Für die, die es interessiert hier eine kleines Bildchen das
zeigt wo genau der Punjab denn eigentlich liegt.
Falls euer Interesse für diese Region jetzt geweckt ist,
schlage ich vor, dass ihr es einfach googelt und hofft das Wikipedia euch
weiter hilft.
Ist ja gut ich will ja mal nicht so sein:
Der Punjab war eine Englische Provinz von 1849 bis 1947. Und
wurde 1947 zwischen den unabhängigen Staaten Pakistan und der Indischen Union
aufgeteilt. So da habt ihrs, wenn ihr mehr über die Geographie und die
Geschichte wissen wollt, lege ich euch Wikipedia wärmstens ans Herz und jetzt Schluss
damit.
Meine Familie kommt ursprünglich aus dem Indischen Teil des
Punjabs. Amans (mein hostdad) und Sarbs (meine hostmum) Eltern sind nach England
eingewandert und mit ihnen ein ganzer Haufen Verwandte, die hier, in England, Kanada
oder auch Afrika leben.
Da Sarbs mum am wenigsten weit von uns entfernt wohnt,
kommen wir des Öfteren in die Gunst ihrer Besuche, die meistens begleitet werden
von selbstgemachtem indischen Leckerbissen und einem Bollywoodfilm.
Kling Klischeehaft? Wartet bis ihr Naniji sprechen hört! Das
ist Klischeehaft, aber absolut adorable.
Familie ist in der indischen Kultur etwas, wie soll ich das
jetzt sagen, ohne total schmalzig zu klingen, sehr wichtiges. Was in der Praxis
bedeutet, dass wenn die Geburtstagsparty deiner Schulfreundin und deiner
Cousine zweiten Grades, die fünf Jahre jünger ist als du, auf den selben Tag
fällt , dann gehst du zu dem Geburtstag deiner Cousine, selbst wenn das für
alle Beteiligten eine Autofahrt von drei Stunden bedeutet. Hach Familie…
Eigentlich will ich nicht so sarkastisch klingen. Das die Familie
so zusammen hält ist etwas sehr gutes und ich hoffe, dass das für mich auch
immer so bleiben wird. Aber sollte die Familie nicht eigentlich die Gruppe von
Menschen sein, die dir egal was auch kommt unter die Arme greift und eine Art selbstverständliche
Liebe teilt und nicht die Menschen dank denen du ständig von Schuldgefühlen
geplagt wirst, wenn du mal nicht zu der Babyparty, der Schwägerin deines Cousin
gehst?
Ich persönlich vertrete ja den Standpunkt, dass Familie
nicht nur durch Blut definiert wird. Ein Freund den du schon seit Jahren kennst
und der mit dir durch Dick und Dünn gegangen ist, mit dem du dich streitest als
wäre er oder sie einer deiner Geschwister und bei dem du nicht einmal deinen Eltern
erzählen musst, dass er oder sie bei dir übernachtet, weil das sowie keinen
Unterschied macht, ist wahrscheinlich mehr deine Familie als eine Cousine
zweiten Grades deren Namen du nicht mal kennst.
Ach verdammt ich wollte doch eigentlich gar nicht so tief philosophisch
werden… ;) was ich damit sagen will, du bist da zuhause wo sich dein Handy automatisch
ins WLAN ein klingt und nicht da wo am meisten Menschen deinen Nachnamen
tragen. Das kann natürlich beides ein und dasselbe sein…
…Themenwechsel (diese ganze hin und her hält man ja im Kopf
nicht aus)
Seit dem ich hier bin habe ich definitiv eine Leidenschaft
für indisches Essen entwickelt. Von der Hälfte der Gerichte kann ich den Namen
nicht einmal aussprechen, aber das ist mir herzlich egal und ich danke Gott
jeden Tag dafür, dass er mich vor traditionellem britischem Essen bewahrt hat.
Zu einem richtigen Indischen Hauptgang gehört:
1. Mindestens ein Curry
2. Reis
3.Rutti (das dippt man in das Curry)
4. Salat
5. Joghurt
5 ½. Mango Chutney (in unserem Fall…das ist eine Art Mango
Marmelade)
6. Indischer Chai (was übrigens übersetzt nicht mehr
bedeutet als Tee)
Das ich das alles aufzählen kann bedeutet nur leider noch
lange nicht, dass ich das auch alles selber zubereiten kann. Ich versuche es,
jap, aber ob das Ergebnis so zufriedenstellend ist sei mal so dahingestellt.
Genauso wie die Tatsache, dass ich jetzt ein halbes Jahr Zeit hatte zu üben mit
meinen Händen zu Essen (weil man so nun mal indisches Essen isst), und es immer
noch nicht perfektioniert habe. In der Theorie reißt man ein Stück von dem
Rutti ab, hält es in Löffelform, nimmt damit das Curry auf und gibt dem ganzen
dann noch einen Schlenker durch den Jogurt, bevor man es dann endlich essen
kann.
Ich bin nach einigen gescheiterten Versuchen dazu
übergegangen, einfach einen Löffel zu benutzen. Ich versau mir nicht alle meine
Klamotten und verliere nicht die Hälfte meines Essens bei dem Versuch es unbeschadet
von meinem Teller in meinen Mund zu bekommen.
Auf den kalten Entzug, back in good old germany bin ich noch
immer nicht vorbereitet.
Meine Gastfamilie ist Sikh. Das ist eine Minderheiten-Religion
in Indien, die am stärksten in, na habt ihr es schon erraten? Jap im Punjab
vertreten ist. (Ich entschuldige mich an dieser Stelle vielmals für dieses
ganze Frage Antwort Spiel. Ich habe ein bisschen zu viel micky mouse clubhouse geguckt
und drehe jetzt am Rad…)
Aber für die die es interessiert Sikh ist eine Religion die:
1. Nur einen Gott verehrt
2. die Wertschätzung von Gottes Schöpfung betont
3. nicht geprägt ist von der Einhaltung religiöser Dogmen, sondern versucht vielmehr
die religiösen Weisheiten für den Alltag nutzbar zu machen
(Männer tragen bei den Sikhs traditionell einen Turban und einen Bart um auf den ersten Blick als Sikh erkannt zu werden und auf sehr offensichtliche Weise zu ihrer Religion zu stehen.)
So das ist das Wichtigste (ich erfülle meinen
Erziehungsauftrag in diesem Blogeintrag ziemlich gut, finde ich, ich sollte
vielleicht noch irgendetwas über Menschen schreiben, die mir auf die Nerven
gehen um das ganze hier ein wenig interessanter zu gestalten…mal sehn wo ich
das einbauen kann)
Auf jeden Fall:
das ist der Tempel
Und das bin ich im Tempel (Bild)
Außerdem hat jeder Tempel eine Art Kantine, in der man
umsonst essen kann und mein persönlicher Favorit: Nachdem man gebetet hat bekommt
man so eine Art Süßigkeit, die schmeckt wie Kuchenteig. Nein ich verarsch euch
nicht! Es sieht aus wie Kuchenteig, es schmeckt wie Kuchenteig, das Beste
allerdings ist, ist dass es auch noch ein bisschen warm ist….ohne Mist das ist
der Hammer… J
Naja, auf jeden Fall an dem selben Tag an dem Sarb, ich und
Sahib in den Tempel gegangen sind, haben wir uns mit Naniji auch auf den Weg
nach „klein Indien“ gemacht (das ist nicht rassistisch gemeint und überhaupt
Sarb hat es auch so genannt und ich kenne den echten Namen von dem Stadtteil
nicht, also hört auf mich zu verurteilen).
Das ist ein Stadtteil in dem hauptsächlich Engländer mit indischem Migrationshintergrund leben (besser?!) und der, wie der Name schon vermuten lässt, aussieht wie copy paste aus Indien.
Das ist ein Stadtteil in dem hauptsächlich Engländer mit indischem Migrationshintergrund leben (besser?!) und der, wie der Name schon vermuten lässt, aussieht wie copy paste aus Indien.
Der Fakt, dass auch noch die Sonne geschienen hat als wir da waren,
verstärkte mein Gefühl im Urlaub zu sein nur noch.
Ohh, hier kann ich ein bisschen lästern: Aus irgendeinem
Grund scheinen dort normale Verkehrsregeln nicht mehr zu gelten. Ich weiß auch
nicht was mit den Leuten da los ist, vielleicht sind das alle samt Adrenalin
Junkies oder Selbstmordgefährdete, aber das aus dem nichts auf die Straße
hüpfen , ohne zu gucken oder besser zu gucken und dann zu denken sie seien Moses und sie könnten das Meer an Autos teilen, haben die auf jeden Fall
noch besser drauf als die Einheimischen rund um den Piccadilly Circus.
Und natürlich wer musste fahren? Ja ich... Beste Erfahrung
meines Lebens.
Was mich trotzdem nicht davon abhielt ein bisschen shoppen
zu gehen.
Ach ja und das noch:
Ich denke das Video fast mich ganz gut zusammen, vor allem
weil Sarb und ich immer scherzen, dass ich wohlmöglich die bleichste Inderin
bin die sie kennt ;) und der Regisseur von Mirror Mirror ist Sikh.
Ach ja hier noch eine kleine Anekdote von Shaan, meinem
ältesten Au-pair –Mädchen…nein das nennt man nicht so oder…ist ja auch egal:
Also ein Mädchen auf ihrer Schule fragt sie eines Tages:
„Sag mal Shaan hast du eigentlich eine ältere Schwester?“
Shaan: „Nö warum?“
Mädchen: „Wer holt dich denn dann immer nach der Schule ab?“
Mädchen: „Hää?! Ja, bist du doch auch!“
(Ist sie nicht. Das Mädchen ist seltsam.)






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