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Freitag, 28. März 2014

Einmal Indisch zum Mitnehmen bitte


Ich weiß ja nicht ob ihr es wusstet, aber ich lebe hier in England mit einer indischen Familie. Um genau zu sein mit einer punjabischen Familie, was meinen Auslandsaufenthalt noch eine tiefere Ebene an kulturellem Austausch verleiht.
Für die, die es interessiert hier eine kleines Bildchen das zeigt wo genau der Punjab denn eigentlich  liegt.

Falls euer Interesse für diese Region jetzt geweckt ist, schlage ich vor, dass ihr es einfach googelt und hofft das Wikipedia euch weiter hilft.
Ist ja gut ich will ja mal nicht so sein:
Der Punjab war eine Englische Provinz von 1849 bis 1947. Und wurde 1947 zwischen den unabhängigen Staaten Pakistan und der Indischen Union aufgeteilt. So da habt ihrs, wenn ihr mehr über die Geographie und die Geschichte wissen wollt, lege ich euch Wikipedia wärmstens ans Herz und jetzt Schluss damit.
Meine Familie kommt ursprünglich aus dem Indischen Teil des Punjabs. Amans (mein hostdad) und Sarbs (meine hostmum) Eltern sind nach England eingewandert und mit ihnen ein ganzer Haufen Verwandte, die hier, in England, Kanada oder auch Afrika leben. 
Da Sarbs mum am wenigsten weit von uns entfernt wohnt, kommen wir des Öfteren in die Gunst ihrer Besuche, die meistens begleitet werden von selbstgemachtem indischen Leckerbissen und einem Bollywoodfilm.
Kling Klischeehaft? Wartet bis ihr Naniji sprechen hört! Das ist Klischeehaft, aber absolut adorable.
Familie ist in der indischen Kultur etwas, wie soll ich das jetzt sagen, ohne total schmalzig zu klingen, sehr wichtiges. Was in der Praxis bedeutet, dass wenn die Geburtstagsparty deiner Schulfreundin und deiner Cousine zweiten Grades, die fünf Jahre jünger ist als du, auf den selben Tag fällt , dann gehst du zu dem Geburtstag deiner Cousine, selbst wenn das für alle Beteiligten eine Autofahrt von drei Stunden bedeutet. Hach Familie…
Eigentlich will ich nicht so sarkastisch klingen. Das die Familie so zusammen hält ist etwas sehr gutes und ich hoffe, dass das für mich auch immer so bleiben wird. Aber sollte die Familie nicht eigentlich die Gruppe von Menschen sein, die dir egal was auch kommt unter die Arme greift und eine Art selbstverständliche Liebe teilt und nicht die Menschen dank denen du ständig von Schuldgefühlen geplagt wirst, wenn du mal nicht zu der Babyparty, der Schwägerin deines Cousin gehst?
Ich persönlich vertrete ja den Standpunkt, dass Familie nicht nur durch Blut definiert wird. Ein Freund den du schon seit Jahren kennst und der mit dir durch Dick und Dünn gegangen ist, mit dem du dich streitest als wäre er oder sie einer deiner Geschwister und bei dem du nicht einmal deinen Eltern erzählen musst, dass er oder sie bei dir übernachtet, weil das sowie keinen Unterschied macht, ist wahrscheinlich mehr deine Familie als eine Cousine zweiten Grades deren Namen du nicht mal kennst. 
Ach verdammt ich wollte doch eigentlich gar nicht so tief philosophisch werden… ;) was ich damit sagen will, du bist da zuhause wo sich dein Handy automatisch ins WLAN ein klingt und nicht da wo am meisten Menschen deinen Nachnamen tragen. Das kann natürlich beides ein und dasselbe sein…
…Themenwechsel (diese ganze hin und her hält man ja im Kopf nicht aus)
Seit dem ich hier bin habe ich definitiv eine Leidenschaft für indisches Essen entwickelt. Von der Hälfte der Gerichte kann ich den Namen nicht einmal aussprechen, aber das ist mir herzlich egal und ich danke Gott jeden Tag dafür, dass er mich vor traditionellem britischem Essen bewahrt hat.
Zu einem richtigen Indischen Hauptgang gehört:

1. Mindestens ein Curry

2. Reis

3.Rutti (das dippt man in das Curry)

4. Salat

5.  Joghurt


5 ½. Mango Chutney (in unserem Fall…das ist eine Art Mango Marmelade)

6. Indischer Chai (was übrigens übersetzt nicht mehr bedeutet als Tee)

Das ich das alles aufzählen kann bedeutet nur leider noch lange nicht, dass ich das auch alles selber zubereiten kann. Ich versuche es, jap, aber ob das Ergebnis so zufriedenstellend ist sei mal so dahingestellt. Genauso wie die Tatsache, dass ich jetzt ein halbes Jahr Zeit hatte zu üben mit meinen Händen zu Essen (weil man so nun mal indisches Essen isst), und es immer noch nicht perfektioniert habe. In der Theorie reißt man ein Stück von dem Rutti ab, hält es in Löffelform, nimmt damit das Curry auf und gibt dem ganzen dann noch einen Schlenker durch den Jogurt, bevor man es dann endlich essen kann.
Ich bin nach einigen gescheiterten Versuchen dazu übergegangen, einfach einen Löffel zu benutzen. Ich versau mir nicht alle meine Klamotten und verliere nicht die Hälfte meines Essens bei dem Versuch es unbeschadet von meinem Teller in meinen Mund zu bekommen.
Auf den kalten Entzug, back in good old germany bin ich noch immer nicht vorbereitet.

Meine Gastfamilie ist Sikh. Das ist eine Minderheiten-Religion in Indien, die am stärksten in, na habt ihr es schon erraten? Jap im Punjab vertreten ist. (Ich entschuldige mich an dieser Stelle vielmals für dieses ganze Frage Antwort Spiel. Ich habe ein bisschen zu viel micky mouse clubhouse geguckt und drehe jetzt am Rad…) 

Aber für die die es interessiert Sikh ist eine Religion die:
1. Nur einen Gott verehrt
2. die Wertschätzung von Gottes Schöpfung betont
3. nicht geprägt ist von der Einhaltung  religiöser Dogmen, sondern versucht vielmehr die religiösen Weisheiten für den Alltag nutzbar zu machen

(Männer tragen bei den Sikhs traditionell einen Turban und einen Bart um auf den ersten Blick als Sikh erkannt zu werden und auf sehr offensichtliche Weise zu ihrer Religion zu stehen.)


So das ist das Wichtigste (ich erfülle meinen Erziehungsauftrag in diesem Blogeintrag ziemlich gut, finde ich, ich sollte vielleicht noch irgendetwas über Menschen schreiben, die mir auf die Nerven gehen um das ganze hier ein wenig interessanter zu gestalten…mal sehn wo ich das einbauen kann)


Auf jeden Fall:
 das ist der Tempel 

Und das bin ich im Tempel (Bild)
Übrigens, das ist ein bisschen anders als ich es von christlichen Kirchen gewöhnt bin: Man kann, wann immer man will in den Tempel kommen, um zu beten. Etwas wie feste Gottesdienst Zeiten gibt es nicht.
Außerdem hat jeder Tempel eine Art Kantine, in der man umsonst essen kann und mein persönlicher Favorit: Nachdem man gebetet hat bekommt man so eine Art Süßigkeit, die schmeckt wie Kuchenteig. Nein ich verarsch euch nicht! Es sieht aus wie Kuchenteig, es schmeckt wie Kuchenteig, das Beste allerdings ist, ist dass es auch noch ein bisschen warm ist….ohne Mist das ist der Hammer… J






Naja, auf jeden Fall an dem selben Tag an dem Sarb, ich und Sahib in den Tempel gegangen sind, haben wir uns mit Naniji auch auf den Weg nach „klein Indien“ gemacht (das ist nicht rassistisch gemeint und überhaupt Sarb hat es auch so genannt und ich kenne den echten Namen von dem Stadtteil nicht, also hört auf mich zu verurteilen).
Das ist ein Stadtteil in dem hauptsächlich Engländer mit indischem Migrationshintergrund leben (besser?!) und der, wie der Name schon vermuten lässt, aussieht wie copy paste aus Indien.
Der Fakt, dass auch noch die Sonne geschienen hat als wir da waren, verstärkte mein Gefühl im Urlaub zu sein nur noch.
Ohh, hier kann ich ein bisschen lästern: Aus irgendeinem Grund scheinen dort normale Verkehrsregeln nicht mehr zu gelten. Ich weiß auch nicht was mit den Leuten da los ist, vielleicht sind das alle samt Adrenalin Junkies oder Selbstmordgefährdete, aber das aus dem nichts auf die Straße hüpfen , ohne zu gucken oder besser zu gucken und dann zu denken sie seien  Moses und sie könnten das Meer an Autos teilen, haben die auf jeden Fall noch besser drauf als die Einheimischen rund um den Piccadilly Circus.
Und natürlich wer musste fahren? Ja ich... Beste Erfahrung meines Lebens.
Was mich trotzdem nicht davon abhielt ein bisschen shoppen zu gehen.


Ach ja und das noch:



Ich denke das Video fast mich ganz gut zusammen, vor allem weil Sarb und ich immer scherzen, dass ich wohlmöglich die bleichste Inderin bin die sie kennt ;) und der Regisseur von Mirror Mirror ist Sikh. 

Ach ja hier noch eine kleine Anekdote von Shaan, meinem ältesten Au-pair –Mädchen…nein das nennt man nicht so oder…ist ja auch egal:
Also ein Mädchen auf ihrer Schule fragt sie eines Tages: „Sag mal Shaan hast du eigentlich eine ältere Schwester?“
Shaan: „Nö warum?“
Mädchen: „Wer holt dich denn dann immer nach der Schule ab?“
Shaan: „Das ist mein Au-Pair….und sie ist weiß?!“
Mädchen: „Hää?! Ja, bist du doch auch!“

(Ist sie nicht. Das Mädchen ist seltsam.)


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